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Colitis Ulcerosa

Darmerkrankungen

KRANKHEITSBILD : Colitis ulcerosa

                                                                                                

Bild-Quelle: Uniklinik Heidelberg, Innere Medizin IV Darmschleimhaut bei Colitis ulcerosa
Synonyme im weiteren Sinne                                                    
Ulzerative Kolitis, Colitis, Chronisch entzündliche Darmerkrankung (CED), Ulzeröse Enterokolitis, Ileokolitis, Proktitis, Rektosigmoiditis, Proctokolitis, Pankolitis, backwash Ileitis.
Definition
Die Colitis ulcerosa gehört wie der Morbus Crohn zur Gruppe der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Kennzeichnend für diese Erkrankung ist die isolierte Entzündung der Dickdarm- und Mastdarmschleimhaut. Colitis ulcerosa wird meistens mit blutig-schleimigen Durchfällen (Diarrhoe) und Bauchschmerzen symptomatisch (beschwerdehaft) und betrifft bevorzugt jüngere Menschen in der 2. bis 4. Lebensdekade.
    
Häufigkeit
Von 100.000 Einwohnern sind 40- 80 an Colitis ulcerosa erkrankt, wobei man in den letzten 20 Jahren einen Zuwachs der Erkrankungsrate verzeichnet. Die Krankheit betrifft Frauen nur geringfügig häufiger als Männer und beginnt meist in jungen Jahren, zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Ein zweiter Erkrankungsgipfel wird zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr verzeichnet. Man erkennt zum Teil familiäre und ethnische Häufungen. In westlichen Ländern ist die Colitis ulcerosa weitaus häufiger als in unterentwickelten Ländern verbreitet. Weiße erkranken 4-mal häufiger als Schwarze und Lateinamerikaner.
Ursachen
Eine definitive Ursache für diese Erkrankung ist nicht bekannt. Man nimmt ein multifaktorielles Geschehen an, was bedeutet, dass mehrere Faktoren zusammentreffen müssen damit diese Erkrankung ausbricht. Angenommen wird ein Zusammenwirken von genetischen, immunologischen, infektiösen, ernährungsbedingten, umweltbedingten und hygienischen Faktoren. Der vermutete Mechanismus scheint in einer verminderten Toleranz gegenüber den physiologisch darmbesiedelnden Keimen zu liegen, sodass Antigene (körperfremde Stoffe), die die Darmwand passieren, eine inadäquate Immunreaktion verursachen können. Colitis ulcerosa wird zwar nicht als psychosomatische Erkrankung angesehen, aber psychosomatische Koinzidenz kann sich schubauslösend und krankheitsunterhaltend verhalten.
Verlauf und Lokalisation
Colitis ulcerosa beginnt stets im Mastdarm (Rektum) und kann sich von dort aus auf dem gesamten Dickdarm ausbreiten. Bei etwa der Hälfte der Patienten wird nur noch das Sigma (vorletzter Darmanteil; Siehe Dickdarm) befallen und bei weiteren 40% kommt es zum Befall des gesamten Dickdarms. Im seltenen Fall kann es auch zu einer „hinein gewaschenen“ Dünndarmentzündung kommen; diese nennt man auch backwash Ileitis. Meistens verläuft die Colitis ulcerosa schubweise, sodass sogar jahrelange Pausen zwischen den Entzündungsschüben bestehen können (Remission). Ein akuter Erkrankungsschub dauert im Schnitt ca. 4 bis 8 Wochen. Bei 10% der Patienten kommt es jedoch trotz adäquater Therapie zu einem chronisch aktiven Verlauf, ohne dass eine Remission zu verzeichnen wäre. Man spricht dann auch von einem therapierefraktären Verlauf.
Symptome
  Colitis ulcerosa
Der Beschwerdekomplex der Colitis ulcerosa imponiert zunächst unspezifisch. Hauptsymptom sind blutig-schleimige Durchfälle (Diarrhoe), der die Patienten auch nachts quält. Die Diarrhoe kann sehr stark, bis zu 30-mal am Tag, oder so gut wie gar nicht auftreten, wenn zum Beispiel nur der After betroffen ist (Proktitis). Nicht selten kommt es im Schub sogar zu einer Stuhlinkontinenz. Zusätzlich können kolikartige (krampfartige) Bauchschmerzen bestehen, die je nach Befall des Darms in den verschiedenen Quadranten des Bauchs (Abdomen) auftreten können. Allgemeinsymptome wie Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit und Übelkeit begleiten oft das Geschehen. Im akuten Schub zeigt sich nicht selten auch eine allgemeine Entzündungsreaktion, die mit Fieber, Erhöhung der Entzündungswerte und der Entzündungszellen (Leukozyten) im Blut einhergeht. Manche Patienten klagen über Schmerzen während und nach dem Stuhlgang (Tenesmen). Ein schubbegleitendes Symptom sind auch Blähungen (Meteorismus), die sich besonders durch eine vorübergehende Zuckerunverträglichkeit entwickeln können. Durch die Verluste an Blut  und Eiweißen (Proteine) kann es entsprechend zu einer Blutarmut (Anämie) oder Eiweißarmut (Hypoproteinämie) kommen.
 
Mögliche Begleiterkrankungen
Eine ganze Reihe von Erkrankungen birgt das Risiko mit der Colitis ulcerosa gemeinsam (assoziiert) vorzukommen. Hierzu gehören u.a.:
  •    Gelenke und Wirbelsäule: Ankolysierende Spondylitis / Morbus Bechterew / Rheumatoide Arthritis / Chronische Polyarthritis

  •    Leber und Gallenwege: Primär sklerosierende Cholangitis,     Fettige Degeneration der Leber

  •    Hauterscheinungen: Pyoderma gangraenosum (Großflächige Hautgeschwüre), Erythema nodosum (Entzündung des Unterhautgewebes)   

  •    Auge: Uveitis, Iritis (Regenbogenhautentzündung), Episkleritis (Lederhautentzündung)                                       

Komplikationen
Bei schweren Schüben mit starken Blutverlusten kann sich manchmal eine lebensbedrohliche Situation einstellen, die eine Bluttransfusion nötig macht oder im Extremfall sogar eine Notfalloperation nachsichziehen kann.
Gleichfalls eine gefürchtete Komplikation bei der Colitis ulcerosa ist das toxische Megakolon. Wenn die Entzündung auf das darmeigene Nervensystem übergreift kann es zu einer Darmlähmung (Darmparalyse; Ileus) und so zu einer Dehnung der Darmwand (Darmdilatation) kommen. Infolge der Darmerweiterung kann es zu einer schnellen Passage der Darmbakterien durch die Darmwand kommen und sich so eine lebensgefährliche Bauchfellentzündung (Durchwanderungsperitonitis) entwickeln. Die Peritonitis ist eine schwere Entzündung, die schnell zu einer lebensgefährlichen Blutvergiftung (Sepsis) und einem Schock mit Kreislaufversagen führen kann. Außerdem besteht bei dieser Komplikation die Gefahr eines Darmdurchbruchs (Darmperforation), welcher schnellstmöglich operativ versorgt werden muss. Der Beginn eines toxischen Megakolons macht sich durch starke Bauchschmerzen (akutes Abdomen), Tachykardie, Fieber und Unterbrechung der anfänglichen Durchfälle (Ileus) bemerkbar. Wenn die intensivmedizinische Versorgung mit Antibiotika (bakterienabtötende Medikamente) und Glukokortikoiden (Cortison; starke Entzündungshemmende Wirkung) erfolglos bleibt, muss man den betroffenen Darmabschnitt operativ entfernen (resezieren).
Nach einer jahrelangen Colitis ulcerosa kann es in der Schleimhaut zu Veränderungen (Dysplasien) kommen, die leicht zu einem Dickdarmkrebs (Dickdarmkarzinom) entarten können. Bei Befall des gesamten Kolons (Pankolitis) über einen Zeitraum von 20 Jahren, liegt das Risiko einer Entartung zu einem bösartigen Tumor bei ca. 50%. Zur Krebsvorsorge existiert deshalb ein evidenter Vorsorgeplan, der konsequent durchgeführt werden sollte. Dazu wird bei einer Pankolitis nach 8 jähriger und bei einer linksseitigen Kolitis nach 15jährlicher Erkrankung eine Vorsorgeuntersuchung mittels Dickdarmspiegelung einmal jährlich durchgeführt.
Diagnose
Die Diagnose der Colitis ulcerosa wird durch Blutuntersuchungen und vor allem die Dickdarmspiegelung, samt der feingeweblichen (histologischen) Untersuchung einer Schleimhautprobe erbracht. Die wichtigste Differentialdiagose ist der Morbus Crohn, der insbesondere in der Symptomatik der Colitis ulcerosa sehr ähnelt. Bei 10% der Patienten mit einer unspezifischen Kolitis kann die definitive Diagnose am Anfang der Erkrankung nicht gestellt werden.
Im Arzt-Patient-Gespräch (Anamnese) kann die Stuhlfrequenz, Stuhlqualität, Blutbeimengungen, Schmerzen und andere Symptomatik erfragt werden. Die körperliche Untersuchung ergibt oft keine spezifischen Befunde. Manchmal kann man einen druckschmerzhaften Bauch tasten und bei der rektalen Tastuntersuchung Blut am Handschuh feststellen.
Bei der Blutuntersuchung können einige Parameter auf eine Entzündung im Körper hinweisen. Dabei kann die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) beschleunigt, das C-reaktive Protein (CRP) erhöht sein und eine erhöhte Anzahl von weißen Blutkörperchen (Leukozyten) gefunden werden. Ein erniedrigter Hämoglobinwert im Blut (Anämie) kann durch einen Blutverlust verursacht sein. Bei etwa der Hälfte der Patienten kann man im Blut einen Autoantikörper finden, den so genannten prinucleären antineutrophielen cytoplasmatischen Antikörper (p-ANCA). Um andere Erkrankungen, die im Bauchraum vorkommen können teilweise ausschließen zu können, wird oft eine Sonographie des Bauchraums (Abdomen) durchgeführt. Eine wichtige Ausschlussdiagnose ist eine infektiöse Ursache für die Darmentzündung (Kolitis), die auch mit Durchfall einhergeht. Zur Differentiadiagnose muss deshalb manchmal eine Stuhluntersuchung (Stuhlprobe) durchführt werden, um besonders bakterielle Erreger als Ursache ausschließen zu können.
Die wichtigste diagnostische Maßnahme ist jedoch die Darmspiegelung.

Darmspiegelung (Koloskopie):
Die „Spiegelung“ (Endoskopie) des Darms ist zur direkten Beurteilung und Einteilung von Schleimhautschäden das diagnostische Mittel der Wahl und sollte bei Verdacht auf eine chronisch entzündliche Darmerkrankung durchgeführt werden. Bei dieser Untersuchung werden über eine Schlauchkamera (Endoskop) Bilder auf einen Monitor übertragen. Dazu wird die Kamera bis zum Zäkum (Caecum; Teil des Dickdarms) vorgeschoben und dann beim langsamen Zurückziehen die Schleimhaut beurteilt. Während der Koloskopie können zusätzlich Gewebeproben (Biopsie) aus entzündeten Schleimhautbereichen entnommen werden. Die feingewebliche Begutachtung der Biopsien unter dem Mikroskop (histologischer Befund) ist weitaus aussagekräftiger als der mit bloßem Auge erfasste (makroskopische) Befund.
Bei der Begutachtung der Darmschleimhaut fallen, je nach Schwere der Entzündung, eine einfache Schwellung (Ödem) der Schleimhaut, bis hin zu großflächigen Geschwüren mit massiven Blutungen und Verlust des Schleimhautreliefs auf. Manchmal können in der Endoskopie Pseudopolypen gefunden werden, die durch überschießende Heilungsreaktion (Regeneration) der Schleimhaut entstehen.

Mastdarmspiegelung (Rekto-Sigmoidoskopie):
Diese Methode ermöglicht das Einsehen des Enddarms mittels eines starren Rohres. Bei einer isolierten Entzündung des Mastdarms (Rektum) kann man diese Methode zur Verlaufsbeobachtung benutzen. Zur Erstdiagnose sollte jedoch stets eine komplette Darmspiegelung (Koloskopie) durchgeführt werden.

Histologische Untersuchung:
Die in der Endoskopie entnommene Biopsie sollte vom Pathologen unter dem Mikroskop feingeweblich (histologisch) untersucht werden. Oft kann durch den kennzeichnenden Schleimhautbefall die Colitis ulcerosa gegenüber anderen Darmentzündungen, wie zum Beispiel den Morbus Crohn, abgegrenzt werden. Charakteristisches mikroskopisches Merkmal eines Colitis Ulcerosa-Befalls des Dickdarms ist eine isolierte Entzündung der Schleimhaut (Mukosa). Dabei zeigt sich eine starke Anreicherung von Entzündungszellen (Lymphozyten) in der Mukosa und eine starke Reduktion der für den Dickdarm typischen Becherzellen. Als besonders charakteristisch gelten Abszesse in den Krypten der Dickdarmschleimhaut (Siehe auch Anatomie Dickdarm).


Kolonkontrasteinlauf:
Beim Kolonkontrasteinlauf wird der Dickdarm durch Kontrastmittelgabe über den After (Einlauf, Klistier, Klysma) im Röntgenbild sichtbar gemacht. Zusätzlich kann man den Darm mit Luft aufblasen, damit sich das Kontrastmittel an die Wände des Darms legt und so auch feinste Veränderungen der Darmwand sichtbar werden. Es ist eine gute Beurteilbarkeit entzündlicher Darmwanderkrankungen, wie die Colitis ulcerosa und damit einhergehende Verengungen (Stenosen, Strikturen) möglich.

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HILFE FÜR BETROFFENE
Wegen der Komplexität einer Darm- Erkrankung sollten sich betroffene Patienten bzw. deren Angehörigen immer Hilfe von meheren Stellen suchen. Die Selbsthlife kann den Betroffenen bei der Bewältigung seiner Krankheit unterstützend helfen, ersetzt aber generell keinen Arztbesuch.





BETROFFENENBERICHT:
Jeder Betroffene berichtet über einzelne Schicksale, über unterschiedliche Krankheitsverlaüfe. Einer unser aktiven Gruppenmiotglied berichtet ausführlich über seine Krankheit auf dieser Website. mehr lesen

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